Die Schweizer Wirtschaft könnte sich als erstaunlich widerstandsfähig erweisen

Die stark von der Pharma-, Finanz- und Nahrungsmittelindustrie geprägte Branchenstruktur der Schweizer Wirtschaft dürfte dem Land nach einem historischen Einbruch des Schweizer BIP von 2,6 % im ersten Quartal recht gute Voraussetzungen für einen Ausweg aus der Krise bieten.

Die Schweizer Wirtschaft könnte sich als erstaunlich widerstandsfähig erweisen
Genf, 9. Juni 2020 – Die stark von der Pharma-, Finanz- und Nahrungsmittelindustrie geprägte Branchenstruktur der Schweizer Wirtschaft dürfte dem Land nach einem historischen Einbruch des Schweizer BIP von 2,6 % im ersten Quartal recht gute Voraussetzungen für einen Ausweg aus der Krise bieten.

Wie erwartet lässt sich das Ausmass der durch den Lockdown verursachten wirtschaftlichen Krise an den kürzlich bekanntgegebenen Konjunkturindikatoren ablesen. So ging das BIP im ersten Quartal um 2,6 % zurück. Dank der getroffenen Massnahmen konnten zahlreiche Leben gerettet werden. Allerdings haben sie auch zu einem Einbruch beim Konsum geführt, der sich vor allem im Detailhandel bemerkbar machte (-15 % im April, je nach Branche sogar bis zu -45 %). Nicht zuletzt sind auch die Beschäftigungsaussichten besorgniserregend. Insbesondere bei der Jugendarbeitslosigkeit ist ein Anstieg von 18 % zu verzeichnen.

Nimmt man jedoch eine Sektoranalyse der Schweizer Wirtschaft im ersten Quartal vor, ergibt sich ein differenzierteres Bild. Zwar erlitten bestimmte Sektoren, wie z. B. das Hotel- und Gaststättengewerbe, Umsatzeinbussen von fast 25 %, dafür betrug der Rückgang in der verarbeitenden Industrie aufgrund der Unterstützung durch die defensiven Sektoren Pharma und Chemie lediglich 1,3 %. Auch der Banken- und Versicherungssektor scheint sich zu behaupten. Die Schweiz ist deswegen im Vergleich zu ihren europäischen Nachbarn, bei denen insbesondere der Tourismus einen grossen Teil zur inländischen Wertschöpfung beiträgt, weniger stark betroffen.

Letztlich bedingt der Einbruch einen Aufschwung und es stellt sich die Frage, ob 2021 wieder das Niveau von 2019 erreicht sein wird. Die Stimmung spielt in der gegenwärtigen Debatte eine grosse Rolle. Eine rein mechanische Sektoranalyse sollte die emotionalen Hypothesen, welche die Prognosen derzeit stark prägen, jedoch neutralisieren. Dank ihrer Wettbewerbsfähigkeit, der Vielfalt ihrer Unternehmen und der Solidität ihrer Wirtschaftsakteure erweist sich die Schweiz als recht widerstandsfähig, weshalb das Wachstum bis Ende 2021 wieder auf Kurs sein sollte.

Auch die Kontrolle des starken Frankens gegenüber seinen wichtigsten Partnerwährungen dürfte bei der Unterstützung der Exportwirtschaft eine Rolle spielen. Die Verbraucherpreisinflation hat sich im Mai stabilisiert, obwohl es in den kommenden zwei Jahren vermutlich zu starken Schwankungen kommen wird, bevor sie sich wieder an den moderaten Triebkräften ausrichtet. Die Schweizer Wirtschaft könnte sich einmal mehr als erstaunlich widerstandsfähig erweisen, wie bereits nach den Krisen von 2008 und 2011.