Die Ablösung des LIBOR durch den SARON

Die Ablösung des LIBOR durch den SARON

Gemäss den Ankündigungen der britischen Finanzmarktaufsicht vom 27. Juli 2017 und vom 5. März 2021 wird der Referenzzinssatz London Interbank Offered Rate (LIBOR) in Schweizer Franken per Ende 2021 abgeschafft. Dieser Entscheid wird sich auch auf den Schweizer Markt für LIBOR-gebundene Privat- und Firmenkredite auswirken. Die BCGE bietet Ihren Kunden jetzt an den SARON (Swiss Average Rate Overnight) gekoppelte Finanzierungen an.

Der London Interbank Offered Rate (LIBOR) entspricht dem Durchschnittszinssatz, zu dem Banken bereit sind, unbesicherte Geldmittel zu leihen. Er wird von der ICE Benchmark Administration (IBA) administriert und als Durchschnitt der gemeldeten Zinssätze der Panelbanken berechnet. Er wird in fünf Währungen (USD, GBP, EUR, CHF, JPY) und einer Reihe von Laufzeiten (ON/SN, 1W, 1M, 2M, 3M, 6M, 12M) veröffentlicht.

 

Der LIBOR ist der am häufigsten verwendete Referenzzinssatz und dient als Basis zur Ermittlung der Preise einer Vielzahl von Finanzinstrumenten: Kredite, Anleihen und Derivate.
 

Entwicklung des 3M CHF LIBOR seit dem 1. Januar 2000

Die Berechnung des CHF LIBOR beruht fast nur auf Einschätzungen von Experten und nicht auf tatsächlichen Transaktionen.

 

Die Financial Conduct Authority (FCA), die Aufsichtsbehörde des LIBOR-Administrators, hat angekündigt, dass der Interbanken-Zinssatz LIBOR für den Euro und den Schweizer Franken sowie für einige Laufzeiten in Dollar, Yen und Pfund Sterling ab dem 31. Dezember 2021 nicht mehr aktualisiert wird. Der Übergang zu einem alternativen Referenzkurs für den Schweizer Franken ist daher unvermeidlich.

Die Nationale Arbeitsgruppe (NAG) für Referenzzinssätze in Franken ist das Gremium, das für die Förderung der Ablösung des LIBOR in CHF durch einen alternativen Referenzzinssatz und die Erörterung der neuesten internationalen Entwicklungen zuständig ist. Der Vorsitz der NAG wird gemeinsam durch je einen Vertreter des Privatsektors und der Schweizerischen Nationalbank (SNB). ausgeübt. Die Teilnahme an dieser Arbeitsgruppe steht auch anderen wichtigen Interessengruppen sowie den Finanzmarktteilnehmern, darunter auch die BCGE, offen.

 

Die NAG empfiehlt den SARON (Swiss Average Rate Overnight) möglichst frühzeitig als alternativen Referenzzinssatz zu verwenden. Der SARON ist ein Referenz-Tagesgeldsatz in Schweizer Franken des besicherten Geldmarkts, auch "REPO-Markt» genannt, der auf den Daten des Wertpapierpensionsgeschäfts, (Sale and Repurchase Agreement), basiert.

Der Swiss Average Rate Overnight (SARON) spiegelt die Bedingungen für Tagesgeldgeschäfte im besicherten CHF-Geldmarkt wider und wird von der SIX administriert. Der SARON wird von der SIX Swiss Exchange (SIX) administriert.

 

Der SARON wird als volumengewichteter Durchschnittssatz berechnet, der auf abgeschlossenen Transaktionen und verbindlichen Preisstellungen (Quotes) im Orderbuch der elektronischen Handelsplattform der SIX beruht. Die Berechnungsmethodik wurde in Zusammenarbeit mit der SNB entwickelt, ist öffentlich einsehbar und transparent.

 

Der SARON wird jeweils direkt nach Handelsschluss (18:00 Uhr) berechnet, mit zusätzlichen Fixings im Laufe des Handelstages um 12:00 und um 16:00 Uhr. Der SARON basiert implizit auf seiner Notierung um 18:00 Uhr (Fixing Close).

 

Der Ermittlungsmechanismus des SARON verfügt über eine klare Governance-Struktur und erfüllt die Anforderungen internationaler Benchmark-Standards. Anfang 2017 hat die SIX zudem die SRR Indexkommission ins Leben gerufen, welche alle Aspekte des CHF SARON regelmässig überprüft.

Die wichtigsten Eigenschaften, die den SARON zu einer alternativen Benchmark für den CHF LIBOR machen, sind:

  • seine Repräsentativität, da er auf tatsächlich getätigten Transaktionen beruht
  • seine Robustheit, da er sich auf den Repomarkt und eine transparente Methodik, die zudem öffentlich einsehbar ist, stützt
  • seine Governance, da von SIX verwaltet, die die Infrastruktur für den Schweizer Finanzplatz betreibt, unter Beachtung der Anforderungen internationaler Benchmark-Standards
 

Alle diese Eigenschaften haben die Nationale Arbeitsgruppe in ihrer Entscheidung bestärkt, den SARON als Alternative zum CHF LIBOR zu empfehlen. Historische SARON-Kurse sind auf der SIX-Webseite verfügbar.  

Entwicklung des SARON seit dem 1. Januar 2000

Wird bei einem Finanzgeschäft ein Termin-Referenzzinssatz wie der 3M LIBOR als Benchmark verwendet, sind die Zinszahlungen bereits zu Beginn der Zinsperiode bekannt. Ein solcher vorausschauender Termin-Referenzzinssatz reflektiert das erwartete Zinsniveau für die kommenden drei Monate und entspricht einer Abfolge erwarteter Tagesgeldsätze.

 

Der SARON ist ein Referenzzinssatz für Tagesgeschäfte (Overnight). Folgendermassen ist der SARON für Finanzierungen mit einer Laufzeit von mehr als einem Tag nicht direkt verwendbar. Die Empfehlungen der Nationalen Arbeitsgruppe für Referenzzinsätze in Franken empfiehlt die Anwendung des aufgezinsten SARON entsprechend des auf der Webseite des Administrators SIX dokumentierten Ansatzes.

 

Wird bei einem Finanzgeschäft der aufgezinste SARON als Benchmark verwendet, dann ergeben sich die Zinszahlungen aus den täglich aufgezinsten Tagesgeldsätzen. Ob Zinszahlungen bereits zu Beginn einer Zinsperiode bekannt sind oder nicht, hängt von der Verwendung des aufgezinsten SARON ab.



Die NAG hat für Finanzierungen 6 Verwendungsvarianten des aufgezinsten SARON eingeführt. Sie wurden entwickelt, um den spezifischen Merkmalen und Umsetzungsbedingungen von Finanzprodukten gerecht zu werden und verwenden die Konzepte:

  • «Beobachtungszeitraum», in dem eine tatsächliche SARON-Fixiersequenz erfasst und für die Berechnung des aufgezinsten SARON berücksichtigt wird
  • «Zinsperiode», während der das Finanzierungskapital für die Berechnung des Zinses berücksichtigt wird

 

Die wichtigsten für Finanzierungen verwendeten Varianten sind:

  • «Plain», bei der der «Beobachtungszeitraum» mit der «Zinsperiode» zusammenfällt
  • «Lookback», bei der die Dauer des «Beobachtungszeitraums» identisch mit der der «Zinsperiode» ist und um einige Tage antizipiert wird, um u.a. Verarbeitungsprozesse im Zusammenhang mit Zinsabrechnungen, die am Enddatum der «Zinsperiode» in Rechnung gestellt werden, zu ermöglichen.
 

Variante Lookback (2 Arbteitstage)

Für an den LIBOR gekoppelte Hypothekarfinanzierungen in Schweizer Franken verwendet die BCGE künftig den aufgezinsten SARON (Compounded SARON) als Referenzsatz zur Berechnung der Zinsen. Diese Neuausrichtung ist Teil der Bemühungen der BCGE um Transparenz gegenüber ihren Kunden und entspricht den Empfehlungen der Nationalen Arbeitsgruppe.

 

BCGE-Kunden mit CHF LIBOR-basierten Krediten werden rechtzeitig über die Modalitäten der Umstellung von LIBOR in CHF auf SARON informiert und es wird ihnen ein einfacher, flexibler Übergang vorgeschlagen, der ihren spezifischen Bedürfnissen entspricht.

 

Entwicklung des SARON und des aufgezinsten SARON Variante Lookback 2 Tage

Die wichtigsten Referenzzinssätze in CHF, darunter auf der SARON, sind auf der Webseite des Administrators SIX Swiss Exchange einsehbar. Der aufgezinste SARON kann mit einem vom Administrator SIX zur Verfügung gestellten Rechner geschätzt werden.
 

Historischer Vergleich des 3M CHF LIBOR mit dem aufgezinsten 3 M SARON (Lookback)

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